Antibiotikaresistenzen: Warum resistente Keime älter sind als die moderne Medizin
Shownotes
Ein Bakterium aus dem Eis, resistent gegen moderne Antibiotika, obwohl es nie mit ihnen in Kontakt gekommen ist: Dieser überraschende Fund verändert den Blick auf Antibiotikaresistenzen. Die neue Hörgang-Folge erklärt, warum Resistenzen Teil der Evolution sind, wie Österreich die Entwicklung überwacht und welche Hoffnung Forschung, Künstliche Intelligenz und neue Therapieansätze im Kampf gegen multiresistente Erreger bieten.
Transkript anzeigen
00:00:00: Tief im Eis, einer abgelegenen Höhle in Rumänien entdecken Forschende ein Bakterium.
00:00:06: Es heißt Psychrobakter
00:00:08: und dieses Bakteriums ist gegen eine ganze Reihe moderner Antibiotika-Resistent
00:00:13: Obwohl es mit moderner Medizin vermutlich niemals in Berührung gekommen ist.
00:00:18: Das klingt wie eine schlechte Nachricht aus der Zukunft.
00:00:21: Tatsächlich erzählt uns dieser Fund vor allem etwas über die Vergangenheit
00:00:25: Nämlich?
00:00:26: Antibiotika-Resistenzen sind keine Erfindung unserer Zeit.
00:00:31: Mikroorganismen entwickeln solche Abwehrmechanismen seit Milliarden Jahren!
00:00:36: Dann ist Resistenz also nicht die Ausnahme?
00:00:39: Nein, aus Sicht eines Bakteriums isst sie eine Überlebensstrategie.
00:00:45: Eine uralte Strategie mit sehr modernen Folgen.
00:00:51: Sie hören
00:00:52: einen Beitrag aus der Ärztewoche.
00:00:54: Grundlage dieser Folge ist der Artikel gegen alle Widerstände.
00:00:59: Die drei Stimmen dieser Sendung sind KI-generiert, die Expertenrolle gibt die Aussagen des Artikels redaktionell wieder.
00:01:07: Sie imitiert keine reale Person.
00:01:11: Im Mittelpunkt steht eine der drängendsten Fragen der Medizin Was können wir tun wenn Antibiotika ihre Wirkung verlieren?
00:01:18: Und warum sind resistente Erreger keineswegs nur ein Problem der Krankenhäuser?
00:01:23: Beginnen wir bei dem Bakterium aus dem Eis.
00:01:25: Wie kann ein Mikroorganismus gegen Arzneimittel resistent sein, die es zur Zeit seiner Entwicklung noch gar nicht gab?
00:01:33: Weil Antibiotika nicht vom Menschen erfunden wurden.
00:01:37: Viele Mikro-Organismen produzieren von Natur aus Substanzen mit denen sie andere Mikro Organismen hemmen oder abtöten.
00:01:46: Eine Art chemischer Konkurrenzkampf?
00:01:49: Genau!
00:01:50: In mikrobielen Gemeinschaften konkurrieren unterschiedliche Organism in Raum und Nährstoffe.
00:01:56: Wer einen Wirkstoff bildet, verschafft sich einen Vorteil.
00:02:00: Wer dagegen resistent wird überlebt.
00:02:04: Das heißt Angriff und Abwehr gab es lange vor der ersten ärztlichen Verschreibung
00:02:10: Sehr lange.
00:02:11: Mikroorganismen und antimikrobielle Resistenzen existieren seit Milliarden Jahren.
00:02:17: Der Mensch hat diesen Wettlauf also nicht ausgelöst.
00:02:20: Nein Aber er beschleunigt ihn
00:02:22: Durch den Einsatz von Antibiotika?
00:02:25: Ja Ein Antibiotikum tötet empfindliche Bakterien oder hemmt ihr Wachstum.
00:02:30: Resistente Bakterie überleben.
00:02:33: Dadurch erhalten gerade jene Erreger einen Vorteil, gegen die das Medikament nicht mehr wirkt.
00:02:38: Anders gesagt jede Behandlung übt einen Selektionstruck aus.
00:02:43: Richtig!
00:02:44: Das macht Antibiatika nicht schlecht – sie retten Leben.
00:02:47: Entscheidend ist aber wie gezielt und wie häufig wir sie einsetzen?
00:02:51: Also nicht keine Antibiotika
00:02:54: Sondern Das richtige Antibiotikum in der richtigen Situation und möglichst auf Grundlage einer verlässlichen Diagnose.
00:03:03: Wenn wir über Resistenzen sprechen, entsteht schnell der Eindruck einer unkontrollierbaren Krise.
00:03:08: Wie ist die Situation in Österreich?
00:03:11: Österreich steht im europäischen Vergleich relativ gut da.
00:03:15: Die Resistenzlage wird überwacht und erscheint insgesamt vergleichsweise stabil
00:03:19: Aber es gibt Länder die noch besser abschneiden.
00:03:22: Ja Besonders die skandinavischen Länder und die Niederlande verfolgen traditionell restriktivere Strategien.
00:03:29: Was heißt Restriktiva?
00:03:31: Antibiotika werden dort sehr zurückhaltend verschrieben.
00:03:34: Gleichzeitig erfolgt ein strenges Monitoring, man beobachtet also systematisch welche Erreger auftreten und gegen welche Wirkstoffe sie resistent sind.
00:03:44: In Österreich übernimmt diese Überwachung unter anderem die Agis.
00:03:48: Die Agis betreibt Referenzlabors für wichtige Bakterienstämme.
00:03:52: Dazu gehören etwa Echerichia coli, Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumonii.
00:03:59: Dabei geht es nicht ausschließlich um Proben aus Krankenhäusern?
00:04:02: Nein!
00:04:03: Untersucht werden beispielsweise auch Isolate aus Lebensmitteln.
00:04:07: So lässt sich beobachten ob multiresistente Erreger über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden könnten.
00:04:13: Und dann gibt es noch den österreichischen Resistenzbericht Aures.
00:04:18: Er beschreibt regelmäßig die Resistenzlage und den Antibiotikaverbrauch im Human- und Veterinärbereich.
00:04:47: oder MRGN.
00:04:50: Dann räumen wir diese Wand Stück für Stück ab, beginnen wir mit dem bekanntesten Kürzel – MRSA.
00:04:57: MRSA steht für Metizillinresistenten Staphylococcus aureus.
00:05:02: Dieser Erreger ist vielen Menschen als Krankenhauskeim bekannt und kann schwere mit unterlebensbedrohliche Infektionen auslösen.
00:05:10: Das nächste Kürzo VRE.
00:05:14: Damit sind Vancomycin- resistente Enterokocken gemeint.
00:05:17: Sie sind gegen Wanko-Myzinresistent, also gegen ein wichtiges Reserveantibiotikum.
00:05:23: Reserveantibiatikum heißt ein Wirkstoff den man nicht vorschnell einsetzen möchte.
00:05:29: Genau!
00:05:29: Solche Antibiotika werden für schwere oder multiresistente bakterielle Infektionen benötigt.
00:05:35: Ihre Wirksamkeit muss möglichst lange erhalten bleiben.
00:05:39: In Österreich verursachen VRE derzeit weniger Probleme als in Deutschland.
00:05:45: Der Artikel beschreibt allerdings einen leichten Anstieg.
00:05:48: Und dann gibt es ESBL, dabei handelt es sich streng genommen nicht um einen bestimmten Keim.
00:05:55: Richtig!
00:05:55: ESBL bezeichnet Enzyme die wichtige Beta-Laktam Antibiotika unwirksam machen können.
00:06:02: Solche Enzymen kommen unter anderem bei bestimmten Escherichia-Coli-Stämmen vor.
00:06:07: Noch kritischer klingt CPE.
00:06:10: CPE sind Carbapenemase produzierende Erreger.
00:06:15: Dazu kann etwa klebsieller Pneumonie gehören, ein möglicher Verursacher von Harnwegsinfektionen.
00:06:21: Solche Erreger können mit einer hohen Sterblichkeit verbunden sein und stehen deshalb besonders im Fokus.
00:06:27: Bei ihnen beobachtet man einen Anstieg.
00:06:30: Ja das ist ein ernstes Warnsignal.
00:06:33: Und schließlich Pseudomonas aeruginosa.
00:06:36: Multiresistente Formen dieses Erregers können unter anderem Sepsis- und Lungenentzündung verursachen.
00:06:43: Sie fühlen sich in feuchter Umgebung wohl, etwa in Abflüssen.
00:06:46: Deshalb stellen sie Krankenhäuser immer wieder vor große Herausforderungen.
00:06:51: Das Gefährliche ist also nicht nur der einzelne Erreger
00:06:54: Sondern die Kombination aus krank machendem Potenzial Übertragungsrisiko und fehlenden wirksamen Medikamenten.
00:07:01: Nehmen wir an In einem Krankenhaus tritt ein multiresistenter Errege auf Was geschieht dann?
00:07:08: Dann geht es zunächst darum seine Ausbreitung zu verhindern
00:07:12: Mit Maßnahmen, die einfach klingen aber konsequent eingehalten werden müssen.
00:07:16: Dazu gehören Schutzkleidung Handschuhe und Kittel.
00:07:20: Betroffene Patientinnen und Patienten können außerdem isoliert werden.
00:07:24: Das schützt andere Patientin und Patienten
00:07:28: Und das Personal.
00:07:30: Entscheidend sind klare hygienische Abläufe und eine schnelle Reaktion
00:07:34: Wobei schnell in der mikrobiologischen Diagnostik ein schwieriges Wort ist
00:07:39: Denn eine Resistenzanalyse braucht Zeit.
00:07:43: Von der Kultivierung eines Erregers bis zur phenotypischen Resistenztestung können mehrere Tage vergehen.
00:07:49: Für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt ist das eine unangenehme Situation.
00:07:55: Die Patientin ist krank, der Befund fehlt und trotzdem muss eine Entscheidung fallen.
00:08:00: Genau darin liegt das Dilemma.
00:08:03: Eine schwere Infektion erlaubt nicht immer mit dem Therapiebeginn mehrere Tage zu warten.
00:08:08: Gleichzeitig könnte eine vorschnelle Breitbandtherapie weitere Resistenzen fördern.
00:08:13: Man beginnt daher manchmal empirisch und passt die Therapie an, sobald er Befund vorliegt.
00:08:20: Das Ziel bleibt – so gezielt wie möglich behandeln.
00:08:24: Warum sucht man nicht einfach im Erbgut des Bakteriums nach Resistenz gehen?
00:08:28: Das ist eine wichtige Forschungsrichtung.
00:08:31: Genomequenzierungen könnten die Diagnostik in Zukunft beschleunigen
00:08:35: Aber noch ersetzen Sie die klassische Resistenztestung nicht flächendeckend.
00:08:40: Nein, ein Resistenzgen im Genom bedeutet nicht automatisch dass es aktiv ist.
00:08:45: Der Erreger muss deshalb nicht zwangsläufig auch phenotypisch resistent sein.
00:08:49: Da liegt ein entscheidender Unterschied.
00:08:51: Ein Gen ist vorhanden aber wir wissen noch nicht sicher ob es tatsächlich Wirkung zeigt.
00:08:57: Richtig Für zuverlässige Vorhersagen braucht man validierte Datenbanken, die genetische Informationen mit beobachteten Resistenzen verbinden.
00:09:06: Und hier kommt künstliche Intelligenz ins Spiel!
00:09:09: Mit ausreichend guten genetischen und phenotypischen Daten könnte sie vorhers sagen welche Resistenz wahrscheinlich vorliegt.
00:09:16: Funktioniert das bereits?
00:09:18: Bei manchen Arten besser als bei anderen.
00:09:21: Bei Mycobakterien beispielsweise beruhen viele Resistencen auf bestimmten Punktmutationen.
00:09:27: Das erleichtert eine genetische Vorhersage.
00:09:30: Bei anderen Erregern ist der Zusammenhang komplizierter?
00:09:33: Ja, deshalb arbeiten Forschungsgruppen an umfangreichen Datenbanken.
00:09:38: Die Hoffnung ist Diagnosen schneller und günstiger zu machen ohne Anverlässlichkeit zu verlieren.
00:09:43: Bisher haben wir vor allem über Krankenhäuser- und ärztliche Verschreibungen gesprochen.
00:09:48: Antibiotika werden aber auch in der Veterinärmedizin eingesetzt.
00:09:53: Der Artikel nennt für Österreich im Jahr- ... einen Verbrauch von... Gegen über...
00:10:06: Antibiotikaverbrauch muss deshalb über einzelne medizinische Bereiche hinaus betrachtet werden.
00:10:15: Gemeint ist die enge Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt
00:10:20: wenn Antibiotika verschwinden nach ihrer Anwendung nicht spurlos.
00:10:24: Abbauprodukte können über Kläranlagen in Gewässer gelangen, dort können sie wiederum die Entwicklung und Verbreitung von Resistenzen begünstigen.
00:10:31: Das Problem wandert also zwischen Krankenhaus Ordination Landwirtschaft und Umwelt.
00:10:38: Ja deshalb reichen Einzelmaßnahmen nicht aus.
00:10:41: man braucht Überwachung und verantwortungsvollen Einsatz auf mehreren Ebenen.
00:10:46: Wenn Bakterien immer neue Resistenzen entwickeln, könnte man doch einfach neue Antibiotika entwickeln.
00:10:52: Wenn es so einfach wäre...
00:10:54: Es gibt zwar neue Wirkstoffe in der Entwicklung.
00:10:57: Der Artikel spricht von etwa neunzig neuen Antibiotika.
00:11:01: Die meisten sind allerdings Abwandlungen bereits bekannter Substanzklassen
00:11:05: Und gegen verwandte Wirkstoffe können Bakterianrasch wieder Resistencen entwickeln.
00:11:10: Das ist das Problem.
00:11:11: Nur wenige Kandidaten besitzen tatsächlich einen neuen Wirkmechanismus.
00:11:15: Die Weltgesundheitsorganisation unterstützt deshalb über das Programm GARDP die Entwicklung neuer Antibiotika und Antibiotikaklassen.
00:11:26: Aber neben neuen Antibiatiker werden auch alte Ideen neu untersucht
00:11:31: Zum Beispiel Bakteriofagen.
00:11:34: Fagen sind Viren, die gezielt Bakterien infizieren und abtöten können.
00:11:39: Das klingt erstaunlich präzise.
00:11:41: Fagen werden häufig nur gegen bestimmte Bakterienarten oder Bakterienstämme.
00:11:46: Diese Spezifität kann ein Vorteil sein, macht die Anwendung aber auch anspruchsvoll.
00:11:51: Bekannt sind Fagen seit mehr als hundert Jahren.
00:11:54: Große aussagekräftige Studien sind dennoch begrenzt.
00:11:58: Fagen könnten künftig als Ergänzung oder in bestimmten Situationen als Alternative zu Antibiotika dienen.
00:12:05: Die Forschung dazu läuft
00:12:07: Also keine Wunderwaffe
00:12:09: Nein Aber ein Ansatz, den man ernsthaft prüfen sollte.
00:12:13: Kommen wir zum niedergelassenen Bereich.
00:12:16: Dort entscheidet sich oft innerhalb weniger Minuten ob ein Antibiotikum verschrieben wird.
00:12:22: Die Ordination ist voll Im Wartezimmer sitzen weitere Patientinnen und Patienten Und das Gegenüber erwartet eine rasche Behandlung.
00:12:31: Dieser Zeit-und Erwartungsdruck kann dazu führen dass Antibiatika schneller verschrieben werden als es medizinisch notwendig wäre
00:12:38: Zum Beispiel bei Infektionen, die wahrscheinlich viral bedingt sind.
00:12:43: Gegen Viren helfen Antibiotika nicht.
00:12:46: Trotzdem kann ein Rezept im ersten Moment wie die einfachste Lösung wirken?
00:12:50: Ja!
00:12:51: Ein kurzes Gespräch über den Nutzen und die Grenzen eines Antibiotikums kostet Zeit.
00:12:56: Langfristig ist diese Aufklärung aber entscheidend.
00:12:59: Was wäre die wichtigste praktische Regel?
00:13:02: Wenn es die klinische Situation erlaubt, sollte man den Erreger diagnostizieren und seine Resistenzen testen bevor man ein Breitbandantibiotikum einsetzt.
00:13:12: Und wenn ein Antibiotikum notwendig ist?
00:13:15: Dann gezielt auswählen und entsprechend den geltenden Empfehlungen anwenden!
00:13:19: Seit Februar zwetausendsechsundzwanzig gibt es außerdem eine neue S-III Leitlinie zur Antibiatika Therapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien.
00:13:31: Sie soll dabei helfen, solche schweren Infektionen besser und gezielter zu behandeln.
00:13:36: Am Anfang dieser Folge stand ein Bakterium im Eis – Ein Organismus der uns zeigt wie alt die Fähigkeit zur Resistenz tatsächlich ist.
00:13:45: Wir können die Evolution der Bakterien nicht abstören
00:13:48: Aber wir können beeinflussen welchen Selektionsdruck wir erzeugen Und wie rasch sich resistente Erreger ausbreiten
00:13:55: Durch gezieltere Verschreibungen
00:13:57: durch verlässliche Diagnostik
00:14:00: durch konsequente Vigene und systematische Überwachung.
00:14:04: Durch Forschung an neuen Antibiotika, an Phagen- und an schnelleren diagnostischen Verfahren.
00:14:09: Antibiotikeresistenzen sind natürlich!
00:14:12: Ihre beschleunigte Ausbreitung ist es nicht
00:14:16: Und genau dort liegt unsere Verantwortung.
00:14:19: Sie hörten über Leben gegen alle Widerstände – einen Beitrag aus der Ärztewoche.
00:14:25: Die Sendung wurde auf Grundlage eines redaktionell geprüften Artikels erstellt.
00:14:29: Alle Stimmen sind KI-generiert.
00:14:32: Mehr medizinische Hintergründe, Interviews und Fortbildungsangebote finden Sie bei Springer Medizin Österreich.
00:14:40: Danke fürs Zuhören.
00:14:41: Bis zur nächsten Folge.
Neuer Kommentar